Herzlich willkommen im
Stadion Neufeld

Das Stadion NEUFELD

Die Haupttribüne des Neufeldstadions steht seit 1925 unverändert am exakt gleichen Ort, zwischen Bremgartenwald und dem Neufeld-Quartier. Sie hat Frost und Gewittern getrotzt. Sie hat talentierte wie auch ungeschickte Spieler ein- und ausgehen sehen, Präsidenten, umtriebige Sportchefs, Hochstapler, fleissige Platzwarte, treue Seelen. Sie hat tausenden spektakulären Partien einen würdigen Rahmen gegeben, wie auch tausende Trauerspiele erdulden müssen. In ihrem Bauch haben sich unzählige Teams in schwarz-roten Trikots auf Spiele eingeschworen, ehe sie sich Stunden später in der Stadionbeiz einfanden, dem Gerstensaft frönten und fachsimpelten, während Legenden wie Fredu Affentranger oder Romolo Ferrari Anekdoten aus längst vergangenen Zeiten auftischten.

Wenn der FC Bern sein 125-jähriges Bestehen feiert, so feiert das Neufeldstadion mit. Seit 94 Jahren ist es die Heimat des ersten Fussballvereins der Hauptstadt. Das Neufeld stellt ein grosses Stück Identität unseres Vereins dar. Und wenn diese unvergleichbare Sportstätte sprechen könnte, würde es zum Anlass dieses Jubiläums von seinen Höhepunkten erzählen.

Angefangen am 12. Oktober 1925, als das Stadion eingeweiht wurde. Es war zu diesem Zeitpunkt die erste grosse Sportanlage des Landes. Rund 7.000 Zuschauer verfolgten das Eröffnungsturnier, bei dem der FC Bern den FC Basel und Schweizermeister Servette Genf bezwang und stolzer Turniersieger wurde. Es war die goldene Zeit des FC Bern, der im Mai gleichen Jahres das Finalspiel der Schweizer Meisterschaft gegen Servette Genf mit 0:1 verlor und Vize-Meister wurde.

Im Jahr 1933 pilgerten im Rahmen des Länderspiels zwischen der Schweiz und England (0:4) 27.000 Zuschauer ins Stadion. Noch mehr Zuschauer, nämlich 28.000, gab es beim Cupfinal 1947, der ausnahmsweise im Neufeld stattfand: Der FC Basel besiegte Lausanne-Sports mit 3:0. Das Stadion drohte aus allen Nähten zu platzen.

Doch auch in der jüngeren Geschichte sorgte der idyllische Ort am Bremgartenwald für sporthistorische Momente. Ausgerechnet der einstige Rivale vom anderen Aare-Ufer trug seine Heimspiele von 2001 bis 2005 im Neufeldstadion aus. Das marode Wankdorf-Stadion wurde in die Luft gesprengt und sollte einem modernen, kommerziell nutzbaren Stadionkomplex Platz machen.

Es war eine Zeit, die den YB-Sympathisanten in bester Erinnerung geblieben ist.Auf dem Rasen sorgten Petrosyan, Sermeter, Chapuisat und Co. für Offensivspektakel und auf den Rängen erfreute man sich der familiären Atmosphäre. Es schien, als hätte der Geist des Neufeldstadions zum Aufblühen der Gelb-schwarzen beigetragen und die Anhänger nach Jahren der Krise mit ihrem Club versöhnt. Eine grosszügige, ehrenhafte Geste unseres Neufeldstadions!

Nicht nur das: In dieser Zeit wurden in den engen Katakomben des Neufeldstadions gleich zwei Schweizermeister-Titel gefeiert. 2002 der FC Basel, der unter Trainer Christian Gross nach 22 Jahren und einem 3:1 über YB erstmals wieder Meister wurde. Ein Jahr später der Grasshopper-Club, der sich dank eines 4:2 Erfolgs und einem überragenden Solisten Richard Nunez zum Meister krönte.

Ein weiterer Höhepunkt stellte das Qualifikationsspiel der U21-Nationalmannschaft gegen Nordirland dar, im September 2004. Vor 2.200 Zuschauern bezwang die talentierte Mannschaft unter Trainer Challandes ihren Gegner mit 4:2. In den Reihen der Schweizer fungierten spätere Teamstützen der A-Nati wie Stephan Lichtsteiner, Blerim Dzemaili, Xavier Margairaz oder Reto Ziegler.

Wer heute das Neufeldstadion besucht, der mag diese besondere Aura als sporthistorische Stätte sofort spüren. Die Holztribüne, das heimelige Chalet, die Stadionbeiz - alles sieht noch so aus wie einst. Ein guter Grund, diesen Ort auch weiterhin zu schützen und den Geist des Neufelds zu bewahren. Leider hat der Kanton Bern jüngst einen Schritt in die falsche Richtung gemacht, als die Zahl der schützenswerten Gebäude drastisch reduziert wurde, unter ihnen auch die Haupttribüne des Neufeldstadions.

Ein guter Grund inne zu halten und die Anwesenheit dieser einzigartigen Sportstätte nicht als selbstverständlich zu betrachten. Der FC Bern braucht das Neufeldstadion, denn im knarrigen Holz der Tribüne wohnt die Seele des Clubs.

Von JONAS DUNKEL